Traumatherapie

Psychotherapie Kärnten - Mag. Mariella Bidovec-Kraytcheva. Traumatherapie

Was ist Trauma?

Als Trauma bezeichne ich ein Ereignis, dass eine außerordentliche Belastung im Leben des Betroffenen darstellt. Bei Trauma Typ I entsteht das Trauma meistens durch das Erleben einer (subjektiv empfundenen) lebensbedrohlichen Situation, aus der kein Entrinnen möglich war. Das Zentrale dabei sind die Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht, welche die/der Betroffene verspürt.

Etwas komplexer ist es bei Trauma Typ II. Dabei sprechen wir von mehrfacher Traumatisierung. Diese stellt z.B. das wiederholte Erleben von Gewalt dar, wobei Gewalt jede Form von massiver Grenzüberschreitung darstellt, sei es „nur“ körperlich oder „nur“ seelisch.

Eine weitere komplexe Form von Traumatisierung ist das sogenannte Bindungstrauma. Damit sind Erfahrungen in der frühsten Kindheit gemeint, meistens bereits in der präverbalen Phase. Dies bzw. die Tatsache, dass es um Beziehungsgefüge handelt, machen den Zugang dazu in der Therapie noch schwieriger, denn die Traumatisierten haben in der Regel kaum bewusste Erinnerungen darüber und es ist (fast) unmöglich, das Geschehene in Wort zu fassen. Erkennbar ist das Phänomen daran, dass sich die traumatischen Muster in späteren Beziehungskontexten immer wieder zeigen, da die Bindungsfähigkeit von Grund auf gestört ist.

Traumafolgen

traumafolgenHinter einer großen Anzahl an diagnostizierten Störungen und Erkrankungen verbergen sich erlebte und nicht aufgearbeitete Traumatas! Im Falle von Trauma Typ II und Bindungstraumatas handelt es oft um unbewussten Traumatas, die ihr Ausdruck durch Körpersymptome und im Führen von leidvollen Beziehungen finden. In diesen Fällen braucht es in der Psychotherapie ein traumatherapeutischer Zugang und viel Erfahrung! Denn wenn Traumatas im Hintergrund gar nicht bzw. falsch und unprofessionell behandelt werden, zeigt die Psychotherapie wenig Wirkung bzw. kann es sogar zu weitere Retraumatisierungen führen!

Folgende Symptomatiken und Diagnosen können auf Traumatisierung(en) im Hintergrund hinweisen:

  • Psychosomatischen Beschwerden
  • Chronische Schmerzen
  • Ängste/Panikstörung
  • Rezidivierende Depression
  • Essstörungen; Sucht
  • Persönlichkeitsstörungen/Borderline Syndrom
  • Suizidgedanken/-handlungen
  • Dissoziation, Identitätsspaltung
  • Andauernde Beziehungsproblematik, Beziehungsunfähigkeit
  • Unfähigkeit enge Bindungen einzugehen und gute Beziehungen zu führen

Konzentrative Bewegungstherapie als Traumatherapie

Psychotherapie Kärnten - Mag. Mariella Bidovec Kraytcheva. Traumatherapie. GegenständeDadurch, dass Traumata IMMER auch auf der Körperebene erlebt werden (sei es „nur“ als Gefühl), ist der Bezug auf den Körper in der Traumabearbeitung enorm wichtig! Nach meiner Erfahrung, eignet sich die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), als körper- und handlungszentrierte Psychotherapiemethode, hervorragend für die Arbeit mit Menschen mit traumatischen Erfahrungen.

Es ist mir gelungen aus allen traumatherapeutischen Ansätze, die ich in zahlreichen Fortbildungen erlernt habe, einen eigenen Zugang zu entwickeln und „meine“ Methode – die Konzentraitve Bewegungstherapie – als Traumatherapie weiter zu entwickeln.

Psychotherapie Kärnten - Mag. Mariella Bidovec Kraytcheva. Traumatherapie. Gegenstände, Stofftier, StoppDie Methode der KBT erlaubt, dass so zentrale Themen in der Traumaarbeit, wie: Selbstfürsorge, Nähe/Distanz, Grenzen setzen/bewahren, Nein-sagen, Körperbild, Aggression, etc. nicht nur angesprochen, sondern in der Tat erlebt und dadurch begriffen werden. Traumabedingte Verhaltensweisen und Haltungen werden im Rahmen von KBT-Angeboten bewusst, dadurch verständlich und veränderbar. Im Arbeitsprozess wird zwischen Wahrnehmen/Bewegen und Denken/Sprechen gependelt, sodass die neu gemachten Erfahrungen emotional und kognitiv verankert werden können und dadurch Veränderungen im bis jetzt traumabedingten Verhalten im Alltag erzielt.

Psychotherapie Kärnten - Mag. Mariella Bidovec Kraytcheva. Traumatherapie. EisblumenDie Arbeit mit stabilisierenden Sinnes- und Körper-Wahrnehmungsangeboten im Hier und Jetzt ist für die Reorientierung für PatientInnen mit einer Dissoziativen Störung als Traumafolge zentral. Sehr schnell wird auch ein positiver Umgang mit den Triggern (Auslöser von traumatischen Erinnerungen) erreicht, Bedrohliches wird gegenwärtig nicht mehr als solches wahrgenommen. Dadurch können dissoziative Symptome wie Flashbacks und Fugues sowie Retraumatisierungen nicht nur im therapeutischen Setting sondern vor allem im Alltag erfolgreich vermieden werden.

Die meisten Betroffenen kennen den Mechanismus der Erstarrung oder des sogenannten „Totstellreflex“ – zweifellos ein Schutzmechanismus in einer Situation größter Gefahr. Diese Erstarrung zeigt sich auf allen Ebenen: geistig, emotional, körperlich und als Handlungsunfähigkeit. Da die KBT auf all dieser Ebenen arbeitet, ist sie ein effektiver Weg, um solchen Blockaden ganzheitlich zu lösen. Aus der Starre kommen die Betroffenen langsam in die Gänge, lernen neue Strategien um sich vor Gefahr zu schützen, werden wieder handlungsfähig!

Die Bewegungs- und die Körperwahrnehmungs-Angebote der KBT, sowie auch die Arbeit mit verschiedenen Gegenständen, verhelfen (wieder) einen positiven Zugang zum eigenen Körper zu finden. Es wird der Raum eröffnet, den Körper neu „kennen zu lernen“ und traumabedingte abgespaltene Körperbereiche wieder vertraut zu machen. Das ICH kann „Verlorenes“ wieder integrieren und sich weiterentwickeln!

Psychotherapie Kärnten - Mag. Mariella Bidovec Kraytcheva. Traumatherapie. Persönlichkeitsanteile, PuppenIn der Traumatherapie ist auch die Arbeit mit den Persönlichkeitsanteilen sehr hilfreich. Die Wahrnehmung von zwei oder mehreren „Seelen in meiner Brust“ (bereits in „Faust“ nachzulesen) ist nichts pathologisches, sondern ein ganz normales Phänomen. Es gibt mehrere theoretische Ansätze in diesem Zusammenhang: „Das Innere Team“ nach Schulz von Thun, das „Ego-State-Modell“ nach Watson & Watson oder die „Arbeit mit dem Inneren Kind“ (Chopich u.a.). Begriffe daraus finden inzwischen in unserer Alltagssprache Verwendung: wir sprechen von unserem „Inneren Kind“, wenn wir bedürftig sind, oder beziehen uns auf unserem „Kompetenten-Ich“, wenn es um unsere professionelle Rolle geht. In der Traumatherapie kommen wir außerdem den „Saboteur“ in uns auf die Spur – diesen Anteil, der eher für ein destruktives Handeln sorgt, auf Fachsprache als Täter-Introjekt bezeichnet.
Ziel dieser „Ego-State-Arbeit“ ist, all diese Anteile wie Schauspieler auf der inneren Bühne gut kennen zu lernen, zu verstehen, warum sie in uns sind und sie zu integrieren. Nur so können wir sie nützen und als ein „Inneres Team“ nach außen auftreten lassen, anstatt an inneren Kämpfen und ein schwankendes Selbst zu Grunde zu gehen.

Konzept der Traumaarbeit mit Konzentrativer Bewegungstherapie

1. Beziehungsaufbau
Die therapeutische Beziehung ist die BASIS einer gelungenen Therapie und Basis zur Herstellung von SICHERHEIT in der Traumatherapie! Die Arbeitsbeziehung zwischen mir als Traumatherapeutin und Ihnen als Betroffenen ist während des gesamten Psychotherapieprozess tragend und kann zum Teil als sehr intensiv erlebt werden. Durch Gelungenes in dieser gegenwärtigen Beziehung können Sie als KlientIn neue, hilfreiche Erfahrungen machen, die frühere Beziehungsmuster korrigieren können. Die Gestaltung der therapeutischen Beziehung hat vor allem eine positive Auswirkung auf Ihr weiteres Beziehungsleben. Das ist auch der Punkt, warum es hier nicht nur um „Symptom-Reduktion oder -Bewältigung“ handelt, sondern um eine grundlegende Steigerung Ihrer Lebensqualität!

2. Stabilisierung
Bevor eine Traumaverarbeitung stattfinden kann, geht es darum, dass Sie als Betroffene/r Strategien entwickeln, stabil genug zu bleiben, um die Annährung an dem Traumageschehen ohne gröberen Schwankungen und „Turbulenzen“ zu verkraften. Wir nennen diesen ersten Teil des Prozesses: Stabilisierung. Dabei einige wichtige Pfeiler:

2.1 Schaffen von Sicherheit! Für das Gelingen einer Traumatherapie ist es ausschlaggebend, dass Sie als KlientIn sich bei und mit mir, in dem therapeutischen Rahmen (Setting) absolut SICHER fühlen! Mithilfe der Konzentrativen Bewegungstherapie können z.B. folgende Punkte erarbeitet werden:

  • Ein sicherer Ort gestalten (im Therapieraum „bauen“)
  • Der „sichere Ort“ auch außerhalb der Praxis erarbeiten
  • „Innerer Sicherer Ort“ installieren
  • Die Beziehungen „draußen“ sichern bzw. Täterkontakt vermeiden
  • Trigger (Auslöser) von Traumaerinnerungen und –bilder (Flashbacks) eruieren und möglichst „ausschalten“
  • Hilfs-Ichs entwickeln (imaginäre/reale Person/Gott/Engel)
  • Skills zur Reorientierung INDIVIDUELL erarbeiten:
    • Durch Sinneswahrnehmung im Hier & Jetzt
    • Im Rahmen von Körperwahrnehmungsangebote über
    • bewusste Atmung, Boden/Füße spüren, bewusstes Gehen, eigene Körpergrenzen wahrnehmen, positive Anker im Körper installieren etc.

2.2 Stopp-Regelung einführen! Sie als PatientIn bestimmen immer SELBST die Intensität unserer Arbeit. Die Gewissheit, den Prozess selbst in der Hand zu haben und nicht zu etwas gedrängt oder gar „verführt“ zu werden, trägt wesentlich für die Sicherheit bei!

2.3 Hier & Jetzt – Themen haben Vorrang. Primär ist immer das, was Sie im Moment beschäftigt oder belastet. Dies zu ignorieren kann nur destabilisieren.

2.4 Notfallplan erarbeiten. Um Ihre Sicherheit nachhaltig zu gewährleisten braucht es konkrete Dinge, die Sie mit meiner Hilfe in Ihrem, ganz persönlichen „Notfallkoffer“ einpacken.

2.5 Ressourcenarbeit – dabei wird die Aufmerksamkeit darauf hingelenkt, dass Sie als Betroffener aus weit mehr als nur aus Ihren verletzten Anteilen bestehen! Diese andere „Ichs“ holen wir wieder in den Vordergrund. Wir brauchen sie als Auffangnetz, das Halt und Stütze in der nächste Traumakonfrontationsphase bieten kann.

3. Traumabearbeitung

Der Sinn einer Traumaverarbeitung ist die Integration der Traumatas. Anders als von vielen KlientInnen vermutet, geht es in der Therapie nicht darum, mit dem Geschehen „abzuschließen“, dieses Kapitel „abzuhacken“ oder gar als „ungeschehen“ aus dem Leben des Betroffenen „weg zu radieren“! Denn das Verdrängen dieser Inhalte kostet unserem Gehirn auf Dauer unheimlich viel Energie. Unser Körper übernimmt dann die Aufgabe, mit unterschiedlicher Symptomatik darauf aufmerksam zu machen, dass es in uns unterschwellig nur so brodelt. Je weniger wir darauf „hören“, umso stärker und krankmachender werden die Signale.

Traumatas zu verarbeiten bedeutet, sich den bis dato abgespaltenen Inhalten ganz behutsam anzunähern, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie die eigenen Verarbeitungsstrategien bis heute funktionieren, um erst dann neue entwickeln zu können. Wichtig ist mir dabei zu betonen, dass es hier nicht um ein Wiedererleben der Traumatas handelt, sondern um eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Empfinden auf körperlicher und emotionaler Ebene geht! Kognitive Reflexion und verbaler Ausdruck dienen dazu, die traumatischen Ereignisse in unserem Gehirn, somit auch in unserem Leben, neu zu ordnen. Die Verletzungen werden dem „Damals“ zugeordnet, das Hier & Jetzt kann nun gelöster, selbstbewusster und handlungsfähiger gelebt werden!

4. Traumaintegration und Abschluss

Psychotherapie Kärnten - Mag. Mariella Bidovec Kraytcheva. Traumatherapie. Pfeil für neue ZieleNach der Traumabearbeitung geht es darum, einen guten, symptomfreien Weg zu finden, um mit dem Trauma zu leben. In diesem Sinne sprechen wir von einer Integration. Wir können die Ereignissen nicht ungeschehen machen, doch mit Sicherheit kann uns eine Entlastung gelingen. Das macht Sie als Betroffene/r wieder zu einem „ganzen“ Menschen – die verletzten Anteile gehören nun wieder zu Ihnen und Sie haben nun die Fähigkeit entwickelt, sich um diesen selbst zu kümmern. Selbstfürsorge findet statt! Sie erlangen Eigenbestimmung und -kontrolle.
Das Wesentliche: in meiner Traumaarbeit geschieht dies auf alle vier Ebenen: Körper/Gefühle/Gedanken/Handlungen. Aus der Opferhaltung wird nun Handlungsfähigkeit!

All das wird nach meiner Erfahrung als eine neue Lebensqualität  erlebt!
Ein gelungener Trauma-Bearbeitungsprozess zieht unausweichlich auch eine positive Veränderung in der Beziehungsqualität nach sich!

 


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